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Tagebuch Solerbens Licht

#1
Script 
Die ersten Seiten eines dicken Notizbuches sind in ordentlicher geschwungener Schrift verfasst.


I - Aufbruch

Trauer? Verlust? Erschütterung? Ich weiß nicht einmal, was ich gefühlt habe. Konrad von Erlichshausens Worte klangen in meine Ohren wie unendlich schellende Glocken. Es war so fürchterlich und so entsetzlich, dass er – dieser starke und aufrichtige Solaner – in Tränen und Wimmern ausgebrochen ist. Die schlimmste grausamste Tragödie, die unser Orden je erleben sollte?

Ich war sprachlos. Nicht einmal in der Lage meinen werten Ordensbruder zu trösten, ihn in meine Arme zu nehmen und zu versuchen ihm beizustehen, nein, ich war zu Grunde erschüttert worden, bereits am Anfang meiner Reise.

Die Sonne sank vollends unter den Horizont und der glitzernde Schein auf dem Wasser verflog. Wir wurden in völliges Dunkel gehüllt, einzig allein erleuchtet von wenigen Laternen auf dem Schiff. Und in dieser chaotischen Dunkelheit war ich allein mit meinen Gedanken. Wie sollte ich nach so einer Erkenntnis auch nur ein Auge in dieser Nacht schließen können? Zuerst bin ich aufgeregt, traurig und wütend über meine Naivität über das Deck marschiert. Mir müsste eine ganze Armee gegenüber stehen und doch könnten sie mich nicht besänftigen, es .. ist so erschütterlich.

Nach Stunden bin ich unter Deck zu meinem edlen Kriegsross Yuki geklettert, habe mich rücklings an seinen notdürftig eingerichteten Stall gesetzt. Yuki war merklich unruhig, er ist ein treuer und bemerkenswert aufmerksamer Gefährte. Langsam hat er seinen großen Kopf zu mir herab gesenkt, seine ledrige Haut an die meine gehalten. Nur seine leise Atembewegung unterbrach die alles durchdringende und an mir nagende Stille. Aber immerhin war ich nicht mehr allein.

Aber was wenn ich mir nur einrede, dass ich nicht allein bin? Meinen treuen Orden habe ich zurückgelassen. Meine langen Weggefährten werden auf sich gestellt sein, so wie ich auf mich gestellt bin. Mir brennt es bereits jetzt im Herzen, wenn ich nur daran denke, dass ich nicht für sie da sein kann. Es ist ein unerträglicher Schmerz, der mir die Luft zum Atmen nimmt. Deyns neueste Prüfung ist erneut eine Herausforderung ungeahnten Ausmaßes, doch dieses Mal können wir nicht aufeinander zählen. Ich muss meine Aufgabe erfüllen, sonst steht der Welt wieder ein ungeahntes Schicksal entgegen. Und wieder einmal kann nur ein kleiner Sôlaner Orden die richtigen Entscheidungen treffen, um dies zu verhindern. Wenn ich versage, werden sie leiden.

Kann und darf ich dem gerecht werden?
Kann ich es nicht?
Was ist, wenn ich fehlschlage?
Was passiert mit mir?
Meiner Gemeinde, meiner doch .. geliebten Insel?
Ich will nicht daran denken, aber kann es auch nicht sein lassen.

Irgendwann müssen mich Yukis leises Schnauben, das Schaukeln der Wellen und Knarzen der Dielen in den Schlaf getragen haben.
Es war kein guter Schlaf, nein, einer der ganz üblen Sorte.

In meinen Träumen erwachte ich an vielen Schauplätzen, an denen ich vor Jahren das letzte Mal sein musste.  Ich kam zurück an Orte und Schauplätze, die ich vor langer Zeit versucht habe zu verdrängen.

Es begann mit meiner Heimat, Patrien. Es war der Schauplatz meines Leben, der mich überhaupt erst nach Neu Corethon bringen sollte. Ein einfacher Auftrag von Bohemund de Corastella, mein Kriegsherr im Orden des Heiligen Mikael. Ich führte zwei Rekruten an, wir sollten eine Lieferung in den Wirren des Sorridianischen Bürgerkriegs an ihr Ziel bringen.

Doch natürlich kam nichts so, wie ich es gedacht hatte.
Wir wurden angegriffen.
Ich war gelähmt.
Versteinert.
Konnte keinen Finger rühren, so überrumpelt war ich.

Meine jungen, so tapferen Begleiter stürzten sich unwissend in den Kampf. Ihre Fehler sind heute noch die ersten Schritte, die ich jedem neuen Ordensbruder und jeder neuen Ordensschwester lehre. Nichts ist wichtiger, als das Überleben im Kampf und der Schutz der Kameraden. Beides habe ich nicht erfüllt. Sie fielen. Ihr Blut rann zwischen den Kieseln und umhüllte ihre Körper.
Auch die genommene Rache an den heimtückischen Banditen würde meine Schuld nicht sühnen können.

Ich hielt sie in den Armen.
Ich lies sie sterben.
Ihr Blut klebt an meinen Händen.
Nur an meinen.

Meine Augen öffneten sich wieder auf den Schlachtfeldern vor Jeorgina, oder war es Aironia? Ich war mir nicht sicher, die Kämpfe in den Kreuzzügen waren schlimmer, als alles, was ich mir je wieder vorstellen mochte. Es regnete glühende Pfeile aus den Bögen der kalifatischen Verteidiger, mein erhobenes Schild war der einzige Schutz den ich hatte. Links und rechts neben mir waren  gefallene Kameraden aller Orden, soweit das Auge reicht. Der berstende Gestank von Tod, Verderben, labenden Insekten und brennendem Fleisch stieg in meine Nase. Mit rotunterlaufenen Augen und dem einzigen Willen mich zu Übergeben und diesem Ort zu entfliehen, suchte ich mir meinen Weg über die Körper meiner einstigen Kameraden. Möge Deyn ihrer seelig haben.

Ich brachte nur mehr Tod, nur mehr Verderben, nur mehr brennendes Fleisch und nur mehr labende Insekten in dieser Schlacht. Ich war kein Stück besser, als die ketzerischen Verteidiger.
Und dann, erst dann bemerkte ich es.
Das, was mich in diesem Kreuzzug ausgemacht hatte.
Mein grünes, übermenschliches Blut, welches wie Gift durch meine Adern floss und dessen Überreste meinen Körper in der Form halten, in der ich heute noch bin.
Meine dämonischen Krallen anstelle meiner Fingernägel, meinen ausgeprägten Spür- und Wahrnehmungssinn meiner hundeartigen Augen.
Der Horror, den ich in dieser Zeit erlebt habe, er war wieder da.

Erst, als ich vollständig in Blut getränkt war und alles Leben um mich herum beendet hatte, lies mich das Schlachtfeld los. Mein Körper zitterte unentwegt, mein Hals brannte, als stünde er selbst in der Flammen. Das Röcheln der Sterbenden klang mir in den Ohren. Aber  der Kreuzzug sollte mich noch nicht loslassen.

Vor mir liefen meine Taten wie ein Bilderbuch ab.
Das heimtückische Ermorden und grausame Abschlachten.
Das Verschleppen und Opfern von Kindern für ein Ritual des Mannsweibes.
Das fast schon alltägliche Verzehren menschlichen Fleisches.
Ich hätte nur durch diese Träume den Verstand verlieren können – und wohl besser auch sollen. Aber nein, Deyns Licht gab mir die Kraft all dies durchzustehen. Ich kann ihn nicht im Stich lassen. Ich darf meine Kameraden und mich nicht im Stich lassen. Solange ich stehe, muss die Ordnung obsiegen.

Doch all die aufleuchtenden Gedanken sollten schnell unterbrochen werden, als wir einem dämonischen Abschaum gegenüberstanden. Erneut konnte ich meine werten Ordensbrüder und -schwestern nicht beschützen. Wir alle erlitten schwerste Wunden, Franz' türmte, um Verstärkung zu holen. Doch Salvyro, er .. er hielt all dem nicht länger stand, brach zu Boden und stand nie wieder auf. Sein Körper wurde in das unendliche Nichts gezogen, von einem Dämon, mit dem wir zuvor noch verhandelten. Der uns vielleicht das Leben schenkte, damit wir ihn in diese Welt holen? Und die stolzen Solaner ließen sich auf diesen Handel ein.

Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Ich glaube nicht. Und doch ist es die einzige Begründung für unser Handeln an diesem Zeitpunkt. Zu so vielen meiner Taten wäre dies die einzige Erklärung.

Bin ich nicht eigentlich die Sünderin?
Gehöre ich nicht bei vollem Bewusstsein ins Fegefeuer gestoßen, anstelle meines Platzes bei Sôlerben oder im Bollwerk?
Vielleicht, aber deswegen werde ich nicht aufgeben. Ich bin mir sicher, was recht ist. Was in meiner Welt recht ist. Ein ewiges Streben für Ordnung und Licht, entgegen Chaos und Dunkelheit.

Dieses Mal sollten sich meine Augen in der echten Welt, außerhalb der fürchterlichen Träume, öffnen. Konrad von Erlichshausen stellte mir ein wenig Verpflegung auf den schaukelnden Holzboden. Die Sonne schien mir durch die offenen Spalten ins Gesicht, was dabei half wieder zu mir zu finden. Mir wurde zwar eine Kabine gegeben, aber irgendwie zog ich es doch vor, meine Reisen wieder wie in alten Zeiten zu führen. Ich breitete mich bei Yuki aus, nahm das leichte Mahl zu mir und versuchte mich halbwegs herauszuputzen. So gut es eben mit meinem geschundenen Körper noch geht – die schreckliche Fleischnarbe auf meiner Wange wird ewiges Zeugnis meiner Taten bei jeder Begegnung sein. Ein Mahnmal.

Unter den voll gehissten Bannern der glühenden Sonne des Sôlerben segelte des Schiff über den funkelnden und raunenden Ozean. Salzwasser spritzte über das Deck und ließ uns nicht einen sanften Schlaf erfahren. Aber doch sollten wir bald unser erstes Ziel erreichen – die Hauptstadt der Unbekannten Lande unter Tasperinischer Führung – Vladsburg.
[Bild: giphy.gif]

"Nicer Cock, Schussi" - Christian, 06.12.2019
"Big Booty - Big Breasts - Brigitte Best" - Lucas, 10.12.2019

"No Waifu, no Laifu"! Hitagi best girl
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#2

II - Vladsburg

Die See wollte sich Tag um Tag nicht beruhigen. Vielleicht ein Zeichen Marinas in Anspielung auf meine Gefühle? Meinen mich jeden Atemzug verzehrenden Verstand? Zeit für derlei Fragen über mein Befinden blieb mir jedenfalls nicht mehr lang, als sich die hölzernen Stege des Hafens auf der Insekl Caryaku in der Ferne erhoben. Die wehenden Banner des silbernen und goldenen Sternes auf blauem Grund erhoben sich über der kleinen Feste inmitten der Stadt. Es gab keine Zweifel – vor uns lag Vladsburg.

Wir liefen in einem fast vollständig belegten Hafen ein – die Fluchtmöglichkeiten meines Zieles schienen damit recht ausgeprägt zu sein. Doch so einfach würde vermutlich niemand einen dahergelaufenen Flüchtling aus den Neuen Landen mit nach Leändrien nehmen. Hoffentlich.

Mein erster Blick galt den Schiffen, aber ein Ordensbruder mit Fernglas an der Reling winkte bereits ab. Er habe bereits Ausschau für mich gehalten, das Schiff der Silberlegion sei nicht mehr im Hafen.

Verflucht. War es das bereits gewesen?
Er konnte nicht schon entkommen sein, nein, so schnell würde niemand Söldner für eine wochenlange Überfahrt versorgen können. Er muss noch hier sein.
Caryaku – Vladsburg.
Eile war geboten.

Auf dem Hinterdeck des Schiffes, direkt vor dem Wappen des Heiligen Sôlerben, ließ ich mich nieder und betete. Es war nur ein Stoßgebet, doch knnte ich jeden Segen für meine Suche brauchen. Ich bin es den anderen schuldig.
Ich muss obsiegen.
Für Deyn. Für die Ordnung.


Oh du heiliger Sôlerben,
Streiter für die Welt,
Glühendes Licht zwischen den Dunkelheiten des Chaos,
so leite mich in ungewisser Stund,
so führe mich über die Schwierigkeiten hinweg,
auf das alles,
was mein sei,
dein sei,
nimm mich als dein an
und lass mich deine lodernde Flamm' sein.
Amen.



Ich raffte mich wieder auf, griff meine Ausrüstung und stieß zu den restlichen Sôlanern auf dem Oberdeck.
Erlichshausen verwies mich auf die hiesige Gesandtschaft des Sôlaner Ordens, er selbst würde an Bord des Schiffes auf mich warten und sich derweil um Yuki kümmern. Sein Angebot mich über den Leändrischen Ozean zu bringen bestand weiterhin, ich wollte seine Freundlichkeit und Hilfe jedoch nicht ausreizen. Er sagte mir ja selbst, dass unser Orden – oder gar die Welt – an der Schwelle zum Abgrund stand.

In vollster Kampfausrüstung verließ ich das Schiff und sah mich am lebhaften Hafen um. Wahrlich, es war kein Schiff der Silberlegion in Sichtweite. Eine ungewisse Furcht kam in mir auf. Doch sprach die menschliche Logik und Hoffnung über das Bestehen der Ordnung entgegen meiner Angst bereits versagt zu haben.

Mein Weg führte mich durch die tagsüber gut gefüllte Stadt. Handwerker und Arbeiter trugen allerlei Waren und Baumaterialien durch die engen Gassen. Das Gehämmere und Gesäge blieb ständiger Begleiter bei meinem kleinen Rundgang durch Vladsburg. Als sich vor mir der tumultartige Markt eröffnete schlugen mir allerlei Gerüche und Farben entgegen. Buntes Gewürzgras aus den Unbekannten Landen, rotleuchtendes Schärfepulver aus dem Kalifat Al'bastra, zimtversetzte Zandiger Mehlklöße, schwarzer Reis aus Patrien – was gab es denn hier nicht? Faszinierend. Aber deswegen war ich nicht hier.

Ganz gleich, ob mich ein Besuch im Holzspielzeugladen oder bei dem prallgefüllten Bürstengeschäft einer Dame namens Betti gereizt hätte, meine Aufmerksamkeit galt allein Berthold Lichtblatt und meinem Orden.
Jede Ablenkung würde meinem Geist gut tun, aber ich durfte keine Zeit verlieren. Nein, wir haben niemals Zeit verloren, nicht wahr, Franz? Immer auf dem Weg zum Ziel – zur Not mit dem Schädel voran.

Ein Blick in den Himmel verriet mir den Weg zur hiesigen Kirche – es war kein Zeichen Deyns, sondern nur die Suche nach dem sich aus dem Dächermeer erhebenden Kirchturm.

Ich stürmte zunächst gar durch einige Straßen, bog um zwei Gassen. Bis ich an einigen Herumtreibern vorbeikam. Ihre unflätigen Gesten kümmerten mich zunächst nicht einen Blick, sollten sie sich doch auf Kosten ihres Seelenheils mit Beleidigungen unterhalten. Ich bin weder gewillt noch in der Lage die verlorenen Schäfchen wieder einzusammeln, das hat mir Neu Corethon beigebracht. Wer vom Wege Deyns abkommt und sich dem Chaos verschreibt, hört nicht auf Vernunft. Niemals.

Als der größte Halunke in seinen lumpigen Kleidern mir jedoch mit seiner schieren Körpergröße den Weg versperrte und seine Kumpanen meinen Rückweg blockierten, verstand ich langsam. Diese Volltrottel wollten eine Sôlaner Ordenskriegerin überfallen und ausnehmen – mich.

Vor Wut schnaubend legte ich mich mit dem Kerl an. Er mag zwar einen Kopf größer als ich gewesen sein, aber das sollte mich nicht aufhalten. Einige Haken flogen zwischen ihm und mir umher, wir kassierten jeweils einen heftigen Schlag gegen den Schädel. Während er einen Schwall Blut ausgespuckt hat, habe ich mir in die Unterlippe gebissen. Blut für Blut, Auge um Auge – so ähnlich sagen diese Tasperiner doch.

Vor dem nächsten Schlagabtausch wischte ich mir meine langen schwarzen Haare aus dem Gesicht und mein Gegenüber .. versteinerte!

Er rührte sich nicht mehr.
Sein zuvor siegessicherer, grinsender Gesichtsausdruck wich einer zitternden Angst.
Auf seiner Stirn sammelte sich Schweiß, seine große Hand wanderte in die Höhe und sein Zeigefinger deutete auf meine Wange.

Ich war mir nicht sicher, was gerade passierte. Seine Kameraden hatten jedoch schon mit ihrer Flucht begonnen und auch der Hüne zögerte keine Sekunde mehr, trat eine Kehrtwende an und verschwand hinter der nächsten Ecke. Ihre Schritte verklangen in der Ferne.


Ich befinde mich keine halbe Stunde in Vladsburg, bekomme die ersten Schläge ins Gesicht und dann fliehen meine Widersacher? Ohne jeden Anlass? Was ist hier los? Deyn bewahre, sehe ich mittlerweile wirklich so grausam aus? Nun, die Antwort kenne ich ja bereits.

Mit blutiger Lippe setzte ich meinen Weg fort, kam an der großen Kirche und dem kleineren Ordensgebäude an. Die flammende Sonne Sôlerbens auf dem weißen Grund der Unschuld prangte über der Türe. Dies war das Heim der Ordnung und Vernunft, der Hort von Sicherheit und Hoffnung inmitten dieser turbulenten Kolonie – so hoffte ich zumindest.
Nach zwei heftigen Schlägen an die Pforte wurde mir geöffnet. Mein Gesicht war sicher immer noch rot und vom Schlagabtausch gezeichnet, sodass ein ziemlich verwundert dreinblickender Waffenbruder vor mir stand. Seine jugendlichen Züge verrieten, dass er weder lang im Dienste des Ordens steht oder viel Zeit auf dieser Insel verbracht hat.

"Ah! Euch erkenne ich sofort, eh – Protektorin Brossieard oder so, nicht wahr? Wir haben euren Brief erhalten!"
Seine Stimme glich dem eines pubertierenden Bengels mit zu viel Lebensenergie, nicht, dass das etwas Schlechtes wäre. Zu viel Lebensenergie ist schließlich das beste Mittel gegen Rückschläge.
Mit einem Nicken antwortete ich ihm, schob ihn ein wenig zur Seite und trat in die Vorkammer ein.
"Wenn ihr meinen Brief bekommen habt, werter Bruder, habt ihr Ergebnisse erzielen können? Wo sind die restlichen Sôlaner im Moment?"
In dem spärlich beleuchteten Raum fanden sich nur einige halbleere Regale und ein hölzerner Tisch mit mehreren Stühlen, die restlichen Begebenheiten waren vermutlich hinter den anderen beiden Türen.
"Ja, wir haben die Augen aufgehalten. Wartet hier, ich hole Bruder Friedhelm, wir sind ein wenig in Aufruhr, weil wir fast durch die Prüfung gefallen wären! Huch, das habt ihr aber nicht von mir, ja?"

Schnellen Schrittes verschwand der lebhafte Bruder hinter einer der beiden Türen, heller Fackelschein drang aus den Tür, bis sie wieder krachend ins Schloss fiel. Durch die Prüfung gefallen, hm? Irgendwie würden sie mir sicher dennoch nützlich sein können.

Ich wartete einige Augenblicke in denen Stille einkehrte. Sobald die Töne um mich herum verstummten, fiel ich in Gedanken. Ich war nur schon bestimmt eine Woche auf dieser Reise. Wie geht es den anderen Ordensmitgliedern? Kommen sie ohne mich zurecht? Ich habe Vertrauen in Raphael und Jule, natürlich auch in Rhys. Aber .. mir wäre wohler, wenn ich da wäre.


Meine Gedankenspiele wurden jäh unterbrochen, als sich die Türe wieder öffnete und der junge Waffenbruder in Begleitung eines Ordensritters zurückkam. Der alte Herr in Sôlaner Kampfesmontur wurde sicherlich nur durch seinen beeindruckend gezwirbelten Schnauzbart und seine graue Haarmähne ausgezeichnet, zumindest blieben mir dieesé in Erinnerung.
"Ordensritter Friedhelm, ihr seid Protektorin Amélie aus Neu Corethon, huh?"
Er reichte mir die Hand, welche ich sogleich schüttelte. Sein fester Griff war dem eines Sôlaners würdig.
"Ganz recht, seid bedankt für eure Hilfe. Euer junger Waffenbruder hat mir bereits mitgeteilt, dass mein Brief rechtzeitig angekommen sein soll. Habt ihr etwas mitbekommen? Habt ihr ihn gefunden?" Voller Eifer stellte ich ihm Frage um Frage, um dann eine nüchterne Antwort zu bekommen.
"Nun, wir haben es versucht und sind beim Streifgang an der Taverne gescheitert. Alles .. seine Schuld!" Friedhelm zeigte auf den Waffenbruder, welcher seinerseits nur abwehrend und resignierend die Hände hob.

"Ihr habt euch statt meiner Bitte anzunehmen, die Kante gegeben? Wollt ihr mir das mitteilen?" enttäuscht blickte ich im ins Gesicht an. Er nickte lediglich, versuchte es mit einem Grinsen zu überspielen. Aber das wirkte nun lange nicht mehr, Friedrich hatte es am Anfang auch immer so versucht. Nein, nachdem ich mich schon mit dem Abschaum der Stadt geschlagen habe, wurde ich auch hier enttäuscht?

"Deyn Cador, ewiger Herr im Himmel – zuerst kriege ich hier von irgendwelchen davonrennenden Halunken Schläge ins Gesicht und dann verbringt der hiesige Orden lieber seine Zeit in der Taverne. Kein Wunder, dass ihr die Prüfung nur knapp bestanden habt, Bruder Friedhelm."

Sein entsetzter Blick ist mir bis jetzt im Gedächtnis geblieben. "Woher wisst ihr das?! Das haben wir doch keinem erzählt, das unterliegt der Vertraulichkeit!"
Ich musste ihm nicht antworten, er hatte es wohl schon bei seinen ersten Worten vermutet. Langsam drehte sich sein Blick zu seinem jungen Waffenbruder, der wieder abwehrend die Arme hochriss.
"Es war ein Versehen, gar keine Absicht, ich schrubbe die Latrine ja schon, ist ja gut, ist ja gut!"

Ich konnte diesen Hühnerhaufen nur mit einem Seufzen abstrafen. Es war doch überall dasselbe, anderer Orden, anderer Ort, selber Inhalt. So würde ich nicht weiterkommen.
"Bruder Friedhelm, leiht mir euren Waffenbruder als erste Strafmaßnahme aus. Ihr selbst haltet bitte weiter Ausschau nach dem Gesuchten. Waffenbruder, wie heißt ihr überhaupt? Bringt mich zur Hafenmeisterei, fangen wir mit dem Schiff der Silberlegion an."

Es wurden keine großen Fragen mehr gestellt und überhaupt nur eine Frage beantwortet. "Sebas". Der Waffenbruder hieß Sebas.

Meine blutige Lippe, mein vernarbter Körper und eine klare Ansage halfen bei kleineren Orden schon eine Menge. So schnell würde mich hier vermutlich niemand anzweifeln.

Wohin das Schiff der Silberlegion ausgelaufen war, würde ich nur im Post- und Zollamt am Hafen erfahren können. Falsche Angaben gegenüber den Seefahrtbehörden würden nicht einmal Söldner der Silberlegion in Kauf nehmen, so naiv waren sie nicht. Wenn die Legion in Richtung des Festlandes aufgebrochen waren, würde Lichtblatt noch bei ihnen sein. Meine Möglichkeiten ihn dann von hier zeitnah zu erwischen, bevor er in Leändrien verschwindet, wären äußerst gering.


Wir eilten über die sich weiter füllenden Straßen und kamen schließlich wieder am Hafen an. Neben der großen, dreistöckigen Taverne "Humpenhauer" aus denen allerlei sündenhafte Geräusche zu vernehmen waren, befindet sich das noch größere und ordentlich geziegelte Post- und Zollamt. Wir traten gemeinsam in die Schalterhalle, in denen Briefe geschrieben und in Umschläge verpackt, Postzustellungen sortiert und allerlei Stempel im immergleichen Takt auf Papier aufgeschlagen wurden. Ein einzigartiger Ort, jede Post- und Warensendung der Unbekannten Lande musste zumindest auf dem Papier hier durch.

Ohne Umschweife stiefelte ich an der Warteschlange vorbei zum Tresen. Ich war mir sicher, dass mir unzählige wütende Blicke und fremdsprachige Beschimpfungen zuteil wurden, aber sei es drum. Ich hatte keine Zeit mehr. Bevor ich jedoch überhaupt das Wort gegenüber den Menschen hinter dem Tresen eröffnen konnte, zog mich Sebas zur Seite.
"Was macht ihr denn da? Kommt mit, kommt mit, ich kenne doch die gute Johanna! Wir sind .. gute Freunde, genau, sehr gute Freunde! Ich bekehre sie zum Glauben Deyns, so mache ich das!"

Kopfschüttelnd ließ ich mich leiten, wir kamen am rechten Ende des Tresens an, neben uns befand sich die holzvertäfelte Wand. Eine hübsche junge Dame trat lächelnd auf Sebas und mich zu: "Ah da bist du ja endlich, Lie .. du Lieferbursche."
Sie wirkte nicht sehr sicher in ihrer Wortwahl, nachdem sie mich erblickt hatte. Man muss nicht lange auf diesem Kontinent verweilt haben, um zu wissen, was hier vor sich ging.

Johanna half uns. Ohne Zögern. Das große Schiffsregister verriet uns, dass das Schiff der Silberlegion nicht ans Festland aufgebrochen war, sondern weiter in den Unbekannten Landen verbleiben würde. Sie setzten nur mehrere Fässer Fracht ab, keine Personen hätten das Schiff verlassen.

Seit Tagen war kein Schiff aus Vladsburg mehr zum Festland aufgebrochen, sie blieben alle wegen eines angekündigten Sturmes zunächst im Hafen liegen. Doch eben dieser Sturm sollte sich bald legen..


Lichtblatt muss sich also noch irgendwo hier auf der Insel befinden. Ich werde meine Suche Morgen fortsetzen und mich weiter umhören.
Für heute kehrte ich zum Schiff der Sôlaner zurück, begab mich unter Deck zu Yuki und fing an einen Brief an meinen treuen Orden zu verfassen. Anschließend ließ ich mich in meiner Hängematte nieder, doch dann .. fiel mir ein altes Gebet wieder ein.


Die nachfolgenden Zeilen sind in feinstem Sorridianisch verfasst:

Mein liebster Mikael,
mein edelster Sôlerben,
bleibt mein Hirten in der Dunkelheit,
leitet mein Schild vor all die Unschuldigen und Schwachen,
lasst mich diejenigen vor der Gefahr bewahren, die sich nicht verteidigen können
und führt eure Kraft auch entgegen aller Widersacher.

Für mein weltliches Leben und meine ganze Kraft,
aufopferungsvoll,
bleibt an meiner Seite und beschützt auch all meine Lieben.


Zu viele habe ich verlieren müssen,
zu viel Schmerz in all den Jahren erleiden.
Lass meinen geschundenen Körper ihr Schild sein.
Für Jule, für Raphael, für Rhys, für Friedrich, für Karl und Anna.
Für Franz, Dysmas, Salvyro und all die anderen treuen Wegbegleiter.

Amen.

[Bild: giphy.gif]

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#3


II - Vladsburg

Die Hängematte schaukelte mich halbwegs schnell in den Schlaf, doch ließen mich meine Träume wieder nicht allein. Eine ruhige Nacht sollte mir wohl vorerst nicht vergönnt sein. Wieder und wieder erlebte ich den Verlust meiner Kameraden auf dem Weg zu Michael Bonnington während unserer Rückkehr nach Corethon. Wie Franz in den Fluten versank und seine gurgelnden Schreie tagelang in meinen Ohren klangen, wie Jule in den glühenden Flammen verbrannte und mich hoffnungvoll lächelnd anschaute oder wie Friedrich vor meinen Augen zerstampft wurde.

Nach unzähligen Wiederholungen dieses schrecklichen, nerven- und verstandzehrenden Abenteuers durfte ich endlich aufwachen. Mein Körper war schweißgebadet und auch nachdem Yukis Zunge mir einmal quer über das Gesicht gefahren ist, konnte ich das Zittern meines Körpers nicht unterbinden. Warum straft Deyn mich mit diesen grauenhaften Träumen ab? Sie erinnern mich jedoch stets daran niemals meine Ziele aus den Augen zu verlieren.

Nachdem ich meinen geschundenen Körper halbwegs gereinigt und meine Rüstung angelegt hatte, trat ich auf das Oberdeck und beriet mich mit Konrad von Erlichshausen. Er konnte meinen Ausführungen weitgehend folgen und schlug vor, dass ich mich an alle Schiffsführer im Hafen wenden solle. Eine Anweisung eines Ordens des Sôlerben leichtfertig zu unterschlagen, war sicher keine ratsame Idee. Natürlich wäre es mir schwierig gewesen weltliche Anordnungen durchzusetzen oder zu rechtfertigen, aber meine reine Präsenz reichte im Zweifelsfall, wie bereits in der Vergangenheit, aus.

Mein Weg führte mich daher in die große Taverne im Zentrum des Hafens – den Humpenhauer. Die aus hölzernem Gebälk errichtete Spelunke war in keinem besonders ansehnlichen Zustand. Das schien aber die Bewohner und Besucher Vladsburgs nicht davon abzuhalten bereits in den Morgenstunden vom Alkohol zu zehren oder eine sündenhafte Nacht dort zu verbringen. Mit einem wuchtigen Schwung stieß ich die beiden Doppeltüren auf und hatte sogleich allerlei Blicke auf mich gezogen. Eine weibliche Ordensritterin des Sôlerben in voller Kampfesausrüstung betrat wohl nicht jeden Tag dieses Etablissement.

Von links nach rechts zogen sich hölzerne Tische und einfache Stühle mit allerlei menschlichem Gesindel, lediglich unterbrochen durch den massiven Tresen an dem ununterbrochen Biere gezapft und Speisen gereicht wurden. Einigen Besuchern war ihr krimineller Hintergrund bereits bei einem Blick ins Gesicht anzusehen, bei anderen erst auf den zweiten oder dritten Anlauf. Nichtsdestotrotz – Berthold Lichtblatt war nirgends zu sehen.

Ich beschloss hier in der Taverne nach den Kapitänen Ausschau zu halten, schließlich war ich hier in dem Anlaufpunkt für Seeleute in den Unbekannten Landen schlechthin. An einem freien Tisch nahm ich Platz und bestellte bei einer jungen Dame eine warme Mahlzeit. Meinen Rücken drückte ich mitsamt meiner wuchtigen Ausrüstung gegen die hinter mir liegende Wand, sodass ich den Tavernenraum einwandfrei beobachten konnte.

Auch dies blieb natürlich nicht lang unbemerkt. Nachdem mir meine dampfende Mahlzeit gebracht wurde, gesellte sich gleich ein zwielichtiger Kerl zu mir. Ohne jeglichen Anstand zog er sich einen Stuhl an meinen Tisch, setzte sich mit der Brust zur Lehne breitbeinig darauf und lächelte mich schäbig an.

"Was macht'n 'ne so hässliche Sôlanerin hier?" fragte mich der kahlrasierte und in schwarze Leinen gekleidete Fremde. Seine Zahnlücken ließen auf endlose Schlägereien in diesen Räumlichkeiten schließen.

Zunächst ein wenig verwirrt, dann gewohnt erbost, konnte ich ihm keine Freundlichkeit oder Güte entgegenbringen. Das hätte er wohl auch nicht erwartet. Mein Gesicht verfinsterte sich spürbar und die furchtbare Narbe auf meiner linken Seite pulsierte vor Schmerz.
"Wollt ihr unbedingt weitere Zähne verlieren oder weshalb wagt ihr es mich derart zu beleidigen?"

Er hob abwehrend seine Arme.
"Keine Sorge, keine Sorge, ich will doch nur'n 'nem verlorenen Schäfchen wieder in'n Stall helfen. Was machst'n hier?"

Ich konnte nur Seufzen, er würde wohl nicht lockerlassen. Vielleicht würde er mir ja gar nützlich werden. Soll mir das Glück des Marcos Hold sein. Was habe ich denn zu verlieren gehabt? In Tasperin sagt man doch so gern: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt."

"Ich suche Jemanden."

"Ja, das hab' ich auch schon gehört, Schäfchen. Die Narbe da auf deiner Wange erkennt'n altes Scharfauge, wie ich, auf hunderte Meter. Hast'n ganz schönen Ruf hier."

"Einen Ruf? Sprich weiter, sonst gehen wir wegen eurer anfänglichen Worte vor die Tür."

Der Mann schien zunächst ein wenig zu erschaudern, als ob er mir glauben würde oder vielmehr, es wirkte so, dass eine gewisse Angst in seinem Blick zu sehen war. Auf Neu Corethon wirkten solche Einschüchterungen in den seltensten Fällen. Liegt den Menschen hier tatsächlich etwas an ihren Leben?

"Naja, Sôlanerin mit einer fiesen Narbe im Gesicht, bewaffnet bis an die Zähne und von diesem hoffnungslosen Inselchen Neu Corethon, nehmt euch in Acht, heißts doch. Ihr Faustschlag bricht Knochen und ihr Schwert sollt' 'se lieber stecken lassen. Solche Kunde verteilt sich hier schnell auf unser'n Inselchen."

"So? Seid bedankt für eure ....".
Ich zögerte eine Weile, bevor ich fortfahren konnte.
"....Ehrlichkeit. Dann würde ich euch gern anraten, mir zu helfen, damit mein Faustschlag nicht auch eure Knochen noch bricht."

Er nickte, wenngleich auch zögerlich. War er tatsächlich beeinflusst durch irgendwelche Gerüchte? Meinen Ruf? Waren diese Schläger abgehauen, weil sie meine Narbe erkannt haben? Wie in aller Welt verbreiten sich diese Gerüchte über die Inseln überhaupt? Deyn stehe mir bei, nachher bekomme ich noch einen schäbigen Titel.

"Heh, war wohl nicht so schlau mich herzusetzen 'ne`? Dann schieß mal los und erzähl' wen du hier suchst. Auf's Maul will ich nämlich nicht bekommen, gerad' nicht von der Schlächterin der Ordnung aus Neu Corethon, hehe."
Er lachte dreckig. Sehr dreckig.

Aber da war er – ein schäbiger und scheußlicher Titel. Ich konnte mich dem wohl nicht entziehen. Was für eine Schmach. Aber es nützt nichts, niemals, es galt weiterzumachen. Wie immer schon.
Ich gab ihm eine Beschreibung des Gesuchten, ohne seinen Namen zu erwähnen. Einige Münzen sollten dabei helfen, dass diese zwielichtige Gestalt mir half. Er schien gut informiert, vielleicht würde es sich auszahlen. Was hatte ich zu verlieren, außer ein wenig Geld? Nichts. Ich musste alle Strohhalme ziehen, die ich finden konnte. Mit welchem Hintergrund er sich an diesen Tisch setzte, blieb mir dennoch bis zum Ende fraglich.

So schnell, wie er gekommen war, verschwand er auch wieder. Wir wollten uns am Abend wieder vor der Taverne treffen. Sollte er nicht erscheinen, so gnade ihm Deyn höchstselbst.
Anschließend wandte ich mich wieder meinem eigentlichen Ziel zu – den Seefahrern und Kapitänen der Schiffe. Tatsächlich fanden sich recht schnell einige Seeleute, die ich unter hinreichend strafenden Blicken und Ermahnung ihres Seelenheils dazu bringen konnte, mir zu antworten. Sie hätten auf ihren Lastenkähnen keine Gäste und würden auch sonst niemanden mitnehmen. Die Aussagen der Matrosen empfand ich als recht glaubwürdig, sodass ich diese beiden Schiffe zunächst auslassen würde.

Berthold Lichtblatt würde von hier fliehen wollen – die Frage blieb nur mit welchem Schiff. Also setzte ich meine Suche Schiff für Schiff fort. Eine Karavelle mit exotischen Gütern wollte demnächst nach Patrien aufbrechen, mit dem Kapitän konnte ich mich in meiner Muttersprache unterhalten. Er versprach mir auch die Augen offenzuhalten und dem Orden Kunde zu schicken, falls er etwas beobachtete. Ein guter und deyngläubiger Mann.
Die Besatzung des großen Schoners daneben war mir weniger wohlgesonnen und sollte zeitnah nach Carviel aufbrechen, so berichteten es mir zumindest die Matrosen. Sie würden vermutlich eher bei nächster Gelegenheit die Flagge der Totenköpfe aufziehen und sich der Piraterie hingeben, aber Deyn vergebe mir, das ist keine Aufgabe für mich.

Auf dem Schiff dahinter suchte der Kapitän verzweifelt nach einem Medikus für seine Tochter, doch ich würde ihm nicht helfen können. Auch die letzte Brigantine brachte mir keinen Erfolg, sodass ich zunächst für einige Stunden durch die Gassen der Stadt wanderte und suchte. Geschäfte um Lagerhäuser, Gassen um verwegene Winkel durchkämte ich mühselig.

Dabei suchte ich doch nur nach einem elenden Verbrecher, welcher es gewagt hatte in die Priorei einzudringen. Einem Verbrecher, der sich keiner Scham und keiner Reue bewusst sein kann. Einem Verbrecher, der wertvolle Papiere für seine dreckigen Machenschaften gestohlen hat. Und doch war ich mir sicher – diese Briefe sind nicht bei ihm geblieben, nein, er hat sie jemandem übergeben, der daraus seinen Nutzen ziehen sollte.

Berthold Lichtblatt – ich finde dich und führe dich deinem letzten Urteil – dem ewigen Urteil Deyn Cadors – zu. Niemand entkommt der Gerechtigkeit der Ordnung.


Meine Suche über den Tag blieb jedoch vergebens.
Enttäuscht und ergebnislos kehrte ich am Abend schlussendlich zur Taverne zurück.

Der zwielichtige Kerl erfüllte seine Pflicht und ersparte sich damit ein unweigerlich schlechtes Schicksal. Doch enttäuschte mich seine Antwort – er hatte nichts herausgefunden. Ich wusste nicht wirklich, ob er die Wahrheit erzählte oder log, ihn dafür zu bestrafen war aber sicher nicht recht.

Grummelnd betrat ich das Ordensschiff und verzog mich unter Deck in meine Hängematte. Möge ein neuer Tag neues Licht in das Chaos werfen und mich an das Ziel meiner Suche führen.

Die mich nächtlich begleitenden Albträume sollten mich auch in dieser Nacht nicht loslassen. Ich hörte die schmerzerfüllten Rufe Franz Gerbers, als sein Körper von dämonischen Mutationen überzogen wurde und  Schwertstöße und Keulenschläge auf seinen Körper einprasselten. Ich sah Salvyro, wie die Pfeilhagel seinen Körper niederstreckten und ihn blutend am Boden zurückließen. Ich sah Sir Ripel, wie er für uns in den Kampf gegen das steinerne Geschöpf das Mannsweibes trat und krachend in der Wand versenkt wurde.
Ich fühle, wie ich immer weiter gegen diese Anblicke abstumpfe, diesen schrecklichen Anblick überdüssig werde.

In den frühesten Morgenstunden – die Sonne muss sich gerade über dem Horizont erhoben haben – wurde ich unsanft aus dem Schlaf geweckt.

Konrad von Erlichshausen polterte über das Holzgebälk des Schiffes und klopfte an die Außenwand, um mich aufzuwecken. Meine seichte Ruhe ließ mich direkt senkrecht im Bett aufsitzen und den adretten Ordensritter anschauen.
"Amélie, da verlangt ein merkwürdiger Kauz nach euch. Soll ich ihn verscheuchen?"

"Nicht nötig." antwortete ich knapp und trat noch in meiner Leinenkluft, nur mit dem Schwertgurt an der Hüfte, auf das Oberdeck. Am Pier stand der bezahlte Schuft mit einem weiten Grinsen.

"Da 'isse ja, meine liebste Ordensrittern! Ich hab' da was' ganz Feines für euch. Dabei springt doch sicher noch was' für mich raus, nicht?"

"Habt ihr ihn gefunden?" fragte ich ihn zischend.

Er quittierte meine Frage mit einem Nicken.

"Wartet hier. Ich bin gleich bei euch. Ich bete für euch, dass ihr mich nicht anlügt." Ich stürmte wieder nach unten, legte meine Ausrüstung in Windeseile an und folgte dem Mann über den großen Steg am Hafen, vorbei am Humpenhauer und dem Post- und Zollamt, entlang der Lastenkrähne, über den letzten – mittlerweile freigewordenen Steg.

Es hätte mir direkt klar sein sollen. Lichtblatt war ein Heilkundiger, welche andere Wahl hatte ein mittelloser Verbrecher denn gehabt? Natürlich musste er auf diesen Kahn! Natürlich!

Seine grässliche Fratze erhob sich am Ende des Schiffes, fast, als würde er einen verabschiedenen Blick auf die Neuen Lande wagen. Als würde dies sein letztes Mal in dieser Stadt gewesen sein, als ob er sich gar sicher sei, dass er mich abgeschüttelt hatte. Aber nein, das hatte er nicht.

Ich konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Ich war ihm auf den Fersen. Und würde ihn so schnell nicht verlieren.

Niemand entgeht der ewigen Ordnung des einzigen Herren Deyn Cadors. Niemand darf ihr entgehen.


Mein kahlrasierter Informant sollte mit einigen Gulden belohnt werden, er hatte mir gute Dienste geleistet. Ich wollte nicht wissen, womit er sonst sein tägliches Brot erarbeitet, aber rechtschaffene Mittel waren es sicher nicht. Deyn vergebe mir, meine Buße für diese Hilfe werde ich tun.

Schnellen Schrittes wanderte ich durch die Stadt und griff mir den jungen Ordensritter Sebas vor der Kirche. Er müsste mir nochmal mit seiner kleinen Freudin Johanna helfen und würde mein Schweigen über seine Liebelei als Gegenleistung bekommen. Ich war nicht hier, um gegen meine eigenen Sôlaner tätig zu werden.

Johanna fand schnell heraus, wohin das Schiff mit meinem Ziel aufgebrochen war – Kaledon. Ich vollendete meinen Brief an meinen Orden noch am Tresen und bat ihn nach Neu Corethon zu senden.

Mein Aufenthalt in Vladsburg wurde just beendet, als von Erlichshausen mir stolz verkündete, dass er alle Vorbereitungen für längere Fahrten bereits abgeschossen habe. Einen Zwischenstopp in Kaledon werde das Schiff der Sôlaner für mich machen.

Wir stachen in See.
Das Meer sollte mir wieder genug Zeit geben, um mich meinen Gedanken und mir selbst zu widmen.
Möge Deyn mich leiten und möge Marina uns gute Winde bescheeren.

Am Ende der Seite wurde ein altes Kindergedicht in Sorridianisch niedergeschrieben.

[Bild: giphy.gif]

"Nicer Cock, Schussi" - Christian, 06.12.2019
"Big Booty - Big Breasts - Brigitte Best" - Lucas, 10.12.2019

"No Waifu, no Laifu"! Hitagi best girl
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